Calw Derneği açılış Yıldönümünde Alevi Akademisi

Verehrter Vorstand, Liebe Mitglieder,
meine Damen und Herren,

einst in Anatolien auf dem Land lebten wir in einer eigenen Gemeinde. Um uns herum Verwandte und nchste Bekannte. Jedem war das Leid und die Freud` des Nachbarn bekannt. Die Selbstkontrolle der Gesellschaft funktionierte ohne weiteres. Menschen achteten auf die Handlungen ihrer Nchsten. Sptestens zum nchsten Gottesdienst sollte die Rechenschaftsstunde kommen. Denn der Geistliche als Spruchkrper des alevitischen Gerichts war Schlichter und Richter zugleich. Ordentlicher Gerichte bedurfte es nicht.

Heute stehen wir weniger in Konkurrenz zu den ordentlichen Gerichten. Die Selbstkontrolle lsst nach, Individualitt und Anonymitt in einer urbanen Gesellschaft fhren auch bei uns zu einer Wertewandlung. Die Bedeutung der Geistlichkeit verschiebt sich. Erwartungen verndern sich, Geistliche mssen diesen Vernderungen entsprechen und den neuen Anforderungen gerecht werden.
Die Gemeinden  wie auch hier die Calwer Gemeinde  trifft die schwierige Aufgabe, sowohl Laien als auch Geistliche auf ihre schwierige Aufgabe vorzubereiten.

Der alevitische Glaube misst dem Altruismus berragende Bedeutung bei.
Hilfs- und Opferbereitschaft und besondere Beistandsgemeinschaften sind zwingend und stehen teilweise im Widerspruch zur modernen Lebensweise des Individuums und seiner unerschpflichen Freiheitswnsche. Fangen doch die Schranken der Freiheit dort an, wo die Freiheit des anderen betroffen wird.
Da der Mensch seit Menschengedenken diese Schranken berschreitet, stehen dem Aleviten Helfer und Begleiter zur Seite  Msahip  die Wahlgeschwister.
Menschen , die sich nher sind, als Geschwister. Menschen, die - ewig verbunden - fr einander einstehen und fr einander Rechenschaft abgeben mssen. Ein Beistand, nach dem wir in der Zeitgesellschaft immer fter suchen. Gleiches gilt auch fr die Institiution des Kivra  einer Art Patenschaft, die Familien ber Generationen miteinander verbindet.

Gibt es da nicht auch noch die Geistlichen, die unsere Wegbegleiter sind; im Spagat der Moderne die Essenz des Glaubens bewahren und zugleich zeitgem zu handeln und leben versuchen. Ein Spagat, nicht weil das Alevitentum altertmlich ist, sondern da ein fester Glaube an einen Gott und Schpfer heute nicht einfach zu behaupten ist, der Islam immer mehr aufgrund Fanatiker und Irrglubiger in Verruch gert, ein Koran der seit Jahrhunderten bewusst falsch interpretiert wird und an Achtung verliert. Es "in" ist, nicht zu glauben und "out" doch zu glauben.

Aber hier setzen die Gemeinden an. Auch die Calwer alevitische Gemeinde, welche heute ihr Grndungsjubilum feiert. Werte zu vermitteln, die der Menschheit dienen: Das Glck des einzelnen bewahren und zugleich im Gegenber Gott erkennen und dem Menschen daher gleich Gott zu begegnen.
Werte, die gleich welcher Rasse, welchen Glaubens und welchen Geschlechts allein dem Menschen zum Respekt verpflichten und damit fern von nationalistischen, rassistischen und fanatischen Vorstellungen ein Leben zu fhren.

Der alevitische Glaube verbindet Menschen. Die Erkenntnis seines eigenen Glaubens wird einem Aleviten stets zum individuellen Glck und zum angenehmen Sozialwesen verhelfen. Das Bndnis zwischen Laien und Geistlichen mit der wechselseitigen Hochachtung wird unsere Gesellschaft strken und die Fortsetzung dieses Glaubens garantieren.  Ich bin mir sicher, dass die Calwer Gemeinde diesen Anforderungen gerecht werden wird. Mit Menschen, die ihrem Glauben fest verbunden sind, ihre Selbstfindung abgeschlossen haben und das Tor und die Stadt des Wissens gefunden haben, werden wir in Calw unseren Beitrag fr ein Miteinander im gegenseitigen Respekt leisten.

Deutschland hat uns Rechte gegeben, denen wir Jahrhunderte entledigt waren.
Deutschland hat uns Freiheiten gegeben, die wir sehr zu schtzen wissen.
Allein die Tatsache, dass wir uns als Aleviten ohne die Befrchtung einer Verfolgung  welcher Menschen in der Trkei zum Teil immer noch ausgesetzt sind  organisieren knnen, unsere Feste und Gottesdienste feiern knnen, ohne Wchter an der Tr zu bentigen, verpflichten uns zu Dankbarkeit. Wir danken allen Menschen in diesem Land, die uns diese Mglichkeiten gegeben haben. Heute findet an deutschen Schulen alevitischer Unterricht statt. So etwas gab es in der alevitischen Geschichte nicht.

Es ist mhsam: Das Trauern in moderner Gesellschaft. Durch Klagelieder und Trnen. Fasten ber Tage, fern von Feierlichkeiten. Dabei erklren zu knnen, warum und weshalb. Sich behaupten zu knnen, wenn sich jemand darber lcherlich macht. Werte leben zu knnen, auch wenn sie fr andere nicht immer verstndlich sind. An einem Gottesdienst teilnehmen. Sich verneigen und mit seinem Haupt die Erde zu berhren, obwohl wir den aufrechten Gang gewhnt und hohen Hauptes laufen. Menschen die Hand zu geben, ohne die Berhrung zu befrchten.

Wir brauchen diese Gemeinden, um unsere geschtzten und bewhrten Werte zu vermitteln. Denn diese werden immer weniger innerhalb der Familie bertragen. Das Umfeld des einzelnen ist hierzu auch nicht in der Lage.
Geistliche besuchen uns auch nicht mehr. Die Gemeinden bernehmen hier eine wichtige Aufgabe. Nun sind alle Aleviten aufgerufen, sich am Gemeindeleben zu beteiligen, ihre Kinder zu den Veranstaltungen, Kursen und Gottesdiensten mitzunehmen. Diese Angebote, meine Damen und Herren, werden ihnen sonst nirgendwo angeboten.

Dabei mssen wir jedoch behutsam vorgehen. Diesen neuen Herausforderungen sind wir nicht unbedingt gewachsen. Das Ehrenamt stellt uns auf eine Probe.
Sowohl Vorstnde als auch Geistliche sind hier besonders gefordert. Wir sind teilweise noch Pioniere, was diese organisierte Gemeindearbeit anbetrifft und auf der Suche nach Strukturen in einer neuen Gesellschaft.

Lasst uns einander helfen, um unseren Kindern eine schne Zukunft in einer freien Gesellschaft mit alevitischen Werten zu vermitteln. Die Erziehung unserer Kinder nach alevitischem Glauben ist uns heute besser mglich als jemals zuvor. Ich wnsch Ihnen allen hier in Calw und Umgebung viel Erfolg auf diesem Weg und den Segen Muhammed Alis. Mge Gott Sie alle bewahren und Hizir Ihnen beistehen.

Sedat Korkmaz
Juni 2011, Calw

Geri Dön...